Donnerstag, 5. August 2010

Die Stimmen über Sinn und Form des Schweizer Hundegesetzes mehren sich

Wer seit September 2008 einen Hund gekauft hat, muss bis Ende August einen Sachkundeausweis vorlegen können. Kantone und Gemeinden müssten dies überprüfen. Doch den Veterinärdiensten fehlt das Kontrollpersonal.

«Die Kontrollen im Zusammenhang mit den obligatorischen Hundehalterkursen – Sachkundenachweisen – sind leider ein grosses Schlamassel», ärgert sich Urs Eymann. Er muss es wissen, denn der Berner bildet als einer von schweizweit einigen Hundert lizenzierten Sachkundenachweis-Trainern Personen aus, welche einen Hund kaufen wollen. Und wer bereits einen Hund hat, muss mit diesem zum Beispiel bei Eymann zum Training antraben. Denn das neue eidgenössische Tierschutzgesetz schreibt für alle Hundehalterinnen und -halter theoretische und praktische Kurse obligatorisch vor.

Nichts ist registriert

Ungehalten ist Urs Eymann darüber, dass er die Namen jener Hundebesitzer, die bei ihm die Kurse besucht haben, niemandem melden muss. Konkret: Wer im Kanton Bern den obligatorischen Hundehalterkurs besucht und damit den Sachkundenachweis erworben hat, ist nirgends registriert – weder beim Bundesamt für Veterinärwesen, beim bernischen Veterinärwesen noch bei der Tierdatenbank Animal Identity Service (Anis). Eine Kontrolle, ob alle 6000 Bernerinnen und Berner, die seit September 2008 einen Hund gekauft haben und deshalb einen Kurs besuchen mussten, dies auch tatsächlich getan haben, gibt es folglich nicht. Grundsätzlich muss jede und jeder im ersten Jahr nach dem Kauf des Hundes einen Trainingskurs absolvieren

«Ich bin nicht einmal verpflichtet», weiss Eymann aus der Praxis, «eine Kopie der Ausweise zu archivieren.» Wer den Sachkundenachweis erhalten hat, tut also gut daran, diesen sorgsam aufzubewahren. Ginge der Ausweis im wenig benutzerfreundlichen A4-Format verloren, könnten Hundebesitzer den Kursbesuch faktisch nicht nachweisen.

Kostengünstige Lösung

Dass Kritiker Eymann «eine gute Kontrolle wichtig ist», kann man beim Bundesamt für Veterinärwesen nachvollziehen. Aber: «Dass eine Kontrolle nur dann gut ist, wenn sie 100-prozentig und lückenlos ist, stimmt nicht», betont Marcel Falk, Kommunikationschef des Bundesamts für Veterinärwesen. Denn bei den meisten Vorschriften im Tierschutz gebe es nur Stichprobenkontrollen, «und dennoch wirken die Kontrollen». Zur Kritik von Urs Eymann will Falk nicht im Detail Stellung nehmen. Für die Kontrolle der gesamten Tierschutzgesetzgebung und im Speziellen der Hundehalterausbildungen seien nämlich die Kantone zuständig.

Dass Berner Sachkundeausweis-Trainer dem Kanton nicht mitteilen müssen, wer den Theorie- und den Praxiskurs besucht hat, begründet der stellvertretende Berner Kantonstierarzt Norbert Stäuber: «Es existieren zurzeit keine Bestimmungen zur Registrierung der Sachkundenachweise im Kanton Bern.» Eine solche Registrierung sei auch nicht geplant. Ebenso mache der Bund keine Angaben, wie eine Kontrolle der Sachkundenachweise zu erfolgen habe. Also habe die bernische Volkswirtschaftsdirektion in der Tierschutzverordnung eine einfache und pragmatische Regelung getroffen: Hundebesitzer müssen auf Verlangen nachweisen, dass sie die Kurse absolviert haben. Dieses Vorgehen sei in der Vernehmlassung gutgeheissen und vom Regierungsrat in Kraft gesetzt worden, erklärt Stäuber.

Pragmatisch heisst im Fall des Kantons Bern auch kostengünstig. Statt das Einhalten sämtlicher Vorschriften bei allen Hundebesitzern zu überprüfen, führt der Veterinärdienst nur Stichproben durch. Eine Kontrolle findet in jedem Fall statt, wenn ein Hund zubeisst. Und dies ist in der Schweiz Jahr für Jahr durchschnittlich 5000-mal der Fall.

Können statt müssen

Ob Hundehalter den Sachkundenachweis tatsächlich erworben haben, könnten auch die Gemeinden kontrollieren – etwa beim Einkassieren der Hundetaxe. Doch Norbert Stäuber betont: «Im Moment bestehen keine rechtlichen Grundlagen, die Gemeinden dazu zu verpflichten.» Grundsätzlich liege die Verantwortung für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen bei jeder Bürgerin und jedem Bürger. «Es ist deshalb nicht die Sache der Kantone, die Hundehaltenden zur Ausbildung zum Sachkundenachweis aufzubieten», sagt Stäuber.

Quelle: Berner Zeitung