Donnerstag, 5. Januar 2012

Seit Einführung des neuen Hundegesetzes vor zwei Jahren hat Zahl der Vorfälle mit Hunden nicht ab-, sondern zugenommen.

Gab es wirklich mehr Hundebisse, oder sind einfach mehr Meldungen eingegangen? 

Seit Anfang 2010 müssen Hundehalter unter anderem einen Kurs besuchen. Hunde bestimmter Rassen dürfen keine mehr aufgezogen, verkauft oder eingeführt werden. Für die bereits vorhandenen Tiere mussten die Halter eine Bewilligung beim kantonalen Veterinäramt einholen.

Unterdessen hat die Zahl der Kampfhunde erwartungsgemäss stark abgenommen. Sie beträgt gemäss dem kantonalen Veterinäramt 386 Tiere. Sieben Fälle sind gemäss Kantonstierärztin Regula Vogel noch in Bearbeitung, da die Besitzer keine Bewilligung für die Haltung beantragt hätten. Zudem würden drei Fälle von verbotener Haltung noch bearbeitet.

Vor dem Verbot gab es im Kanton gemäss der Anis-Datenbank (Animal Identity Service) 561 Kampfhunde (gemäss Rassetypenliste II). Vogel vermutet allerdings, dass die Zahl zu hoch ausgewiesen ist und der tatsächliche Bestand vor dem Verbot bei rund 480 Tieren lag (Rassetypenliste II). Warum? «Bei den Zahlen der Anis-Datenbank ist unklar, wie aktuell sie waren. Es dürfte auch verstorbene Hunde darunter gehabt haben», erklärt Vogel. Zudem seien in der Zwischenzeit wohl einige Tiere verstorben.

Mehr Kampfhunde im Aargau

Statistische Erhebungen, ob und wie viele Halter in Nachbarkantone umgezogen sind oder ihre Hunde an Halter in anderen Kantonen abgegeben haben, existieren nicht. Bekannt ist allerdings, dass im Kanton Aargau die Zahl der Hunde, die im Kanton Zürich auf der Verbotsliste stehen, innerhalb des Jahres 2010 um rund 13 Prozent oder rund 50 Tiere zugenommen hat. Wie viele Kampfhunde eingeschläfert oder in ein Tierheim abgegeben wurden, ist statistisch ebenfalls nicht erfasst. «Uns sind nur Einzelfälle von Umzügen oder Abgaben ins Tierheim bekannt», so Vogel.

Weniger Kampfhunde bedeuten nicht, dass es weniger Vorfälle mit Hunden gegeben hat. Gemäss Hochrechnung des Veterinäramtes ist für 2011 sogar mit leicht höheren Zahlen als in den beiden Vorjahren zu rechnen. «Wir gehen von etwa 1150 Meldungen für 2011 aus», sagt die Kantonstierärztin, weist aber darauf hin, dass die Statistik noch nicht vorliegt. 2010 gab es 1004 Meldungen: 543 Vorfälle mit Menschen, 402 mit Tieren und 59 andere. 2009 lag die Zahl der Vorfälle bei 1124.

Meldepflicht mit dem neuen Gesetz

Die leichte Zunahme für 2011 sagt laut Vogel wenig über die Realität aus, weil sie nur das Meldeverhalten abbildet. Eine Meldepflicht für Beissunfälle besteht erst seit dem neuen Gesetz. Dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle gestiegen ist, ist deshalb nicht erstaunlich. Welche Hunderassen zugebissen haben, lässt sich laut Vogel mangels statistischen Angaben nicht sagen. Sie glaubt nicht, dass die praktische Hundeerziehung bereits Wirkung gezeigt hat. Der Grad der Verletzungen ist laut ihren Angaben unverändert: «Schwerwiegendere Fälle kommen vor, die prozentuale Verteilung ist aber in etwa gleich geblieben.» Brachte das Hundegesetz und das Kampfhundeverbot konkrete erste Erfolge? Es sei zu früh, dies zu beantworten, sagt Vogel, glaubt aber:

«Das Hundegesetz hat verschiedene Elemente, die im Zusammenspiel mittelfristig zu einer tieferen Vorfalls- häufigkeit führen sollten.» Allerdings müssten präventive Massnahmen wie die Schulung der Kinder im richtigen Umgang mit Hunden erst noch aufgebaut werden. Und auch die praktische Hundeausbildung mit Welpenkurs und Junghundeerziehung für alle grossen oder massigen Hunde, die nach dem 31. Dezember 2010 geboren wurden, sei erst angelaufen. Sichtbare Resultate erwartete die Kantonstierärztin erst in einigen Jahren.

Quelle: LIZ