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Mittwoch, 18. Februar 2015

Auswahl von Hund und Züchter - ein nicht ganz einfaches Unterfangen

Hat man keine spezielle Vorstellungen, empfiehlt sich durchaus ein Besuch im Tierheim, respektive auf deren Websites.

Man wird die Baby-Jahre des Hundes dann zwar nicht erleben, da die dort verfügbaren Hunde meist schon aus diesem Alter raus sind, dies sind aber gleichzeitig auch die Vorteile, denn die Mitarbeiter des Tierheimes können einem schon sehr gut Auskunft über den Charakter und die Eigenarten des Hundes geben und der Abgleich mit der eigenen Aktivitäts-Skala lässt sich damit schon sehr gut vornehmen.

Auch ist man betreffend  unliebsamen Überraschungen wie HD, Spondylose etc. gefeit, da bei einem etwas älteren Hund entsprechende Ansätze bereits diagnostizierbar sind, während bei einem Welpen hier immer noch Überraschungen auf einen zukommen können.

Fällt die Wahl auf eine spezifische Hunderasse

Hat man sich jedoch für eine Rasse entschieden und will den ganzen Lebenszyklus des Hundes miterleben, steht man vor der Qual der Wahl nach einem geeigneten Züchter.
Prinzipiell sollte man sich im Vorfeld über die Wunschrasse weitgehendst informieren und sicher sein, dass Hund und Mensch zusammenpassen. Entstammt der Wunschhund einer Rasse, welche eher für die Jagd eingesetzt wird, man selbst aber berufstätig ist und sich die Aktivitäten auf 1-2 Spaziergänge pro Tag belaufen, wird der Hund zwangsläufig nicht seinem Energie-Level entsprechend ausgelastet werden können. Probleme in der Haltung sind vorprogrammiert, der Hund landet dann meist im Tierheim.

Es gibt heute für jede Rasse einen entsprechenden Club oder Verband, dem wiederum die entsprechenden Züchter angeschlossen sind. Vielfach findet man die Züchter auch mit etwas Recherche im Internet, bzw. in Social Media Kanälen wie facebook, wo Züchter teils gezielt einzelne oder gemeinsame Seiten betreiben und ihre Würfe dort publizieren.
Welcher Züchter ist für mich der richtige?

Korrekterweise der, welcher Sie sehr genau kennenlernen will und dies über mehrere Besuche bei ihm, respektive seinem neuen Wurf abhandelt. Dann dürfen Sie nicht erstaunt sein, wenn der Züchter Ihnen die Auswahl des Welpen abnimmt.

Das klingt vielleicht im ersten Moment nicht nach dem was man in vielen Büchern liest "der richtige Welpe wird dann schon auf Sie zukommen etc.", aber bedenken Sie folgendes:

Sie erwerben ein Lebewesen. Ein guter Züchter ist in der Lage sehr gut zu erkennen, welcher seiner heranwachsenden Sprösslinge eher einen ruhigen Charakter hat, wer der Draufgänger ist etc. Der seriöse Züchter wird somit basierend auf seinem Wissen, welches er sich anhand Ihrer Besuche und den Gesprächen über Sie erworben hat den Hund aus seiner Zucht auswählen, der am besten zu Ihnen passt.

Vielfach werden die Hunde mit optischem oder hundesportlichem Potential vom Züchter bereits ausselektioniert. Diese Hunde finden den Weg meist nur in Hände von Haltern, welche dementsprechend aktiv sind und den Hund ausstellen, allenfalls zu Deckzwecken zur Verfügung stellen oder an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen und das Ansehen des Zwingernamens steigern.
Genetisch bedingte Krankheiten sind bei Rasse-Hunden leider nie auszuschliessen.

War oder ist die Rasse in den letzten Jahren sehr populär (Modehund) und weitverbreitet, ist damit meist leider auch das Risiko für die Verbreitung der genetischen Probleme gegeben. Denn die Ausmerzung genetische Defekte ist nur mit einer strengen Reduktion der Zuchttiere und einer kontinuerliche Überwachtung der daraus resultierenden Welpen über mehrere Generationen machbar.

Für Neulinge ist es relativ schwer, sich aufgrund der Werte der Elterntiere wie HD2, Spondylose O etc ein Bild zu vermitteln, was dies nun für die Welpen bedeuten könnte.

Auch spielt hier immer mal wieder der Generationensprung, d.h. die Gesundheitswerte müssten über mehrere Generationen zurück analysiert werden. Kein einfaches Unterfangen, was auch aufzeigt, dass der Betrieb einer seriösen Zucht wiederum auch den Züchter vor hohe Anforderungen stellt.


Online-Datenbanken


Es gibt zwar entsprechende Datenbanken wie working-dog auf welcher Sie nach einer einfachen Registrierung entsprechende Recherchen tätigen können, bedingen jedoch wiederum ein gewisses Fachwissen hinsichtlich der Interpretation der darin abrufbaren Gesundheitsdaten betreffend HD etc.


Sind Sie bei Ihrer Wahl unsicher

sollte es für einen seriösen Züchter kein Problem sein, wenn sie den Sprössling Ihrer Wahl inklusive Stammbaum einem in dieser Hinsicht erfahrenen Tierarzt zeigen.

Auch bieten erfahrene Hundetrainer hier entsprechende Dienste an. Idealerweise fällt Ihre Wahl hier auf einen Trainer, der selbst mit der Rasse Ihrer Wahl arbeitet und über langjährige Erfahrung damit verfügt.

Drängt Sie der Züchter zu einem Entscheid aufgrund weiterer Interessenten lassen Sie es lieber sein. Sollten Sie sich nicht gerade für einen äusserst seltene Rasse entscheiden...es fallen meist mehrere Würfe im Jahr bei diversen Züchtern an.
Den Züchter pauschal nach Kontaktdaten früherer Würfe zu fragen ist meist nicht zielführend, da letztendlich die Paarung der Eltern-Tiere ausschlaggebend ist.

Hat er mit diesen bereits gezüchtet, kann es sich jedoch durchaus lohnen, sich bei den Haltern des entsprechenden Wurfes zu erkunden. Der seriöse Züchter verfügt über die Adressdaten der Halter seiner Würfe und ist sicherlich bereit, hier behilflich zu sein oder er lädt sie allenfalls auch an ein kommendes Haltertreffen seiner Zucht ein, welches vielleicht demnächst ansteht.

Übrigens ein weiteres Merkmal wie genau es der Züchter Ihre Wahl nimmt. Ist er auch nach dem Verkauf immer noch in Kontakt mit den Besitzern seiner vorgängigen Würfe und weiss wie sich seine Zöglinge entwickeln oder nicht?

Gesetzlichen Vorgaben

In der Schweiz unterliegen Züchter zudem einer Bewilligungs-und Ausbildungspflicht für das gewerbsmässige Züchten von Heimtieren. Erkunden Sie sich beim Züchter Ihrer Wahl nach dieser Bewilligung des BLV, respektive lassen Sie sich die entsprechende Verfügung zeigen.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Boxerzucht quo vadis?

Derzeit macht ein Artikel des Zuchtleiters des BK München auf facebook die Runde.

Kurz zusammengefasst gehts darum, dass offenbar sehr viele Anträge beim BK München für die kommende Hautpversammlung eingegangen sind, welche die Zucht betreffen. Der Zuchtleiter wiederum stellt sich auf den Standpunkt, dass man die Boxerzucht in Deutschland schon kaputt reguliert habe.

Für mich etwas bedrückend zu lesen, dass man vor dem Thema Spondylose offenbar bereits kapituliert hat, da dies früher oder später jeder Boxer habe.

Dazu wird dann ein Quervergleich mit uns Menschen herbeigezogen. Nun ist es ja aber nicht so, dass wir Menschen gezielt auf ein Idealbild hinzüchten, weshalb für mich dieser Vergleich und auch diverse weitere Aussagen doch etwas fragwürdig erscheinen.

Weiter stellt sich auch die Frage, wieso bei anderen Rassen Hunde mit HD B, bzw. C sogar von der Zucht ausgeschlossen sind, dies beim Boxer aber völlig legitim ist.

Von 1990 bis heute ist in Deutschland ein Rückgang von 2267 auf 1500 Welpen, bzw. Zuchtbucheintragungen resultiert. Jetzt kann man sicherlich darüber in Diskussionen ausufern, dass eine breitere Population wiederum ein breiteres Gen-Potential mitbringt. Andererseits ist es wohl zwangsläufig auch so, dass bei stärkeren Zucht-Restriktionen unter dem Strich nur die Tiere bleiben, welche den gesundheitlichen Zuchtanforderungen effektiv gerecht werden und dem Aufbau eines neuen, gesundheits- und weniger formfokussierten Hundebildes gerecht werden.

Allenfalls müsste man vielleicht auch - wie bei anderen Rassen längst üblich - auf zwei Linien züchten. Die, dem Idealbild des Boxers unterworfene Ausstellungslinie, sowie die eher robustere Arbeitslinie.

Wie auch immer..auf jeden Fall ist es sicherlich nicht 5 vor 12 sondern schon längst 15 nach 12 im Bestreben, den Boxer gesundheitlich wieder auf Vordermann zu bringen. So lange wir damit leben müssen, dass der Boxer per se mit Spondylose ausgestattet ist, mit HD-Werten gezüchtet wird, welche bei anderen Rassen schlichtweg ausgeschlossen sind und in Büchern steht, dass der Boxer halt nicht ein Hund ist, der ein hohes Alter erreicht, gibt es noch sehr sehr viel zu tun.

zum Artikel gehts übrigens hier.

Montag, 2. September 2013

Hundezüchter mit goldenem Gütezeichen SKG

Die Wahl eines geeigneten Züchters ist nicht immer einfach, gerade für Erst-Hundekäufer.

Hin und wieder findet man dann Züchter, die sich mit dem goldenen Gütezeichen der SKG schmücken und schon denkt man, auf der sicheren Seite zu sein.

Aber der Reihe nach:

Was ist das Goldene Gütezeichen (Textauszug): 

Die Schweizerische Kynologische Gesellschaft versucht, dies mit dem goldenen Gütezeichen Absicht der SKG und Zielsetzung des Goldenen Gütezeichens ist die Förderung einer Züchterschaft, die bestrebt ist, Hunde ohne Erbdefekte zu züchten auf der Basis tiergerechter Haltung und liebevoller Betreuung. Dazu gehört es auch, die Erkenntnisse der Verhaltensforschung einzubeziehen. Die SKG will Züchter fördern, die von Verantwortungsbewusstsein gegenüber Tier und Mensch in gleicher Weise getragen werden und erkennen, dass neben einer materiell intakten Zuchtstätte Zeit und Verständnis für die Bedürfnisse der Tiere ebenso wichtige Anliegen sind.

Zum ganzen Text gehts hier.

Einmal erhalten und dann?

Was nun viele Neu-Hundekäufer nicht wissen...das Gütezeichen wird nicht einfach einmal vergeben und dann kann sich der Züchter ein Leben lang damit schmücken, sondern dies unterliegt einer jährlichen Nachzertifizierung (sofern im entsprechenden Jahr Würfe vorhanden sind/waren).

Mehr zu den Weisungen, bzw. das ganze Reglement kann man hier einsehen.

Und wie weiss ich, welcher Züchter diese Auszeichnung nun aktuell wirklich hat...oder sich einfach noch mit einem vor Jahren erhaltenen Zertifikat schmückt?

Das publiziert die SKG jährlich auf ihrer Website.
Zu den aktuell zertifizierten Züchtern gehts hier.
Die Suche findet man hier.

Und das garantiert mir nun einen gesunden Welpen?

Diese Garantie kann Ihnen wohl niemand geben. Hier helfen Ihnen Hundetrainer/Hundeschulen gerne weiter, sei dies bei der gesundheitlichen Auswertung der Ahnen (auch dafür gibts Online-Datenbanken) wie auch bei der Beurteilung der Charaktere der einzelnen Welpen...denn wenn Sie einen eher ruhigen Kameraden zum Spazierengehen haben wollen und dann eine regelrechte Sportskanone heimbringen, mag das im ersten Moment zwar toll klingen, aber ob Sie dem Hund dann auch tatsächlich auslastungstechnisch gerecht werden können, ist ein ganz anderes Thema.


Dienstag, 25. September 2012

Hundezucht auf dem richtigen Weg?

2008 hat die BBC eine Dokumentation über die Hundezucht ausgestrahlt, welcher auf Seiten der Verbände und Züchter nicht überall auf Anklang gestossen ist. Zeigt er doch schonungslos auf, dass die eingeschlagenen Wege zur Erreichung eines Schönheitsideals zunehmend zur Lasten der Gesundheit diverser Rassen geführt haben.
In diesem Jahr wurde nun ein Folgedokumentation ausgestrahlt, welcher die Situation 3 Jahre später aufzeigt.

Erste Dokumentation



Zweite Dokumentation, 3 Jahre später



















Montag, 6. Februar 2012

Ist die Hundezucht auf dem richtigen Weg - Dokumentation der BBC

Betrachtet man aktuell länderübergreifend die Paarungen für Rassehunde - in unserem Fall explizit der Boxer  -  sind Paarungen mit
Spondylose1 x Spondylose1
Spondylose1 x HD C / Spondylose2
etc.durchaus keine Seltenheit.

Sicherlich muss auch die Linie der Grosseltern in die Prüfung einbezogen werden..aber das ändert  nichts an der Tatsache, dass Elterntiere mit eher suboptimalen Genen heute zur Zucht verwendet werden.

In diesem Sinne sei mal wieder auf die spannende Dokumentation der BBC hingewiesen.








Sonntag, 5. Februar 2012

Züchter haften bei Gesundheitsproblemen

Im Gespräch mit Gieri Bolliger von der Stiftung für das Tier im Recht werden Haftungsansprüche des Züchters wie auch von Veranstaltern bei Hundesportanlässen besprochen.

Bezüglich der Haftung des Züchters:

"...Wird ein Tier krank verkauft, dann handelt es sich um einen Mangel am Tier. In diesem Fall haben Sie zwei Möglichkeiten, entweder die Minderung oder die Wandelung (Rücktritt). Da Sie den Hund zurückgeben möchten, haben Sie die Möglichkeit der Wandelung. Dabei können Sie den Hund der Züchterin zurückgeben und den vollen Kaufpreis zurückverlangen. Wichtig ist jedoch, dass Sie den Mangel unverzüglich der Züchterin anzeigen und die Wandelung geltend machen....."


Die Folgekosten für teure Operationen und Therapie (HD etc.) sind dem Züchter nicht direkt belastbar sondern bedingen eine rechtliche Abklärung und meist damit verbunden einen Rechtsstreit.


Kassensturz vom 31.01.2012


Zur Themenseite des Kassensturzes

Zum Protokoll des Experten-Chat

Donnerstag, 29. April 2010

Aufbau einer DNA Datenbank für Boxer

An dem Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover wird eine DNA-Bank für Boxer mit dem Ziel aufgebaut, Hüftgelenkdysplasie (HD), Spondylose (SP), Kryptorchismus (KRY), Juvenile Nierendysplasie (JRD) und Herzbefunde (Aorten-, Pulmonalstenose) mit molekulargenetischen Methoden zu untersuchen. Dieses Probenmaterial wird im Auftrag der einzelnen Hundezüchter und Hundehalter verwaltet und steht ausschließlich für vom Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung durchgeführte Forschungsprojekte zur molekulargenetischen Aufklärung der o.g. Merkmale zur Verfügung.

Freitag, 10. Juli 2009

Welpenauswahl

Definition von Inzucht und weitgehendste Vermeidung von Schadgenen

Gemäss einem Artikel von Frau Dr. Karin Nicodem aus der aktuellen HundeWelt spricht man von Inzucht bei Hunden, wenn in 5-6 (!) Generationen gemeinsame Ahnen zu finden sind.

Gemäss Frau Dr. Nicodem sind in jedem Hund sogenannte Schadgene vorhanden, meist jedoch verdeckt.

Paart man nun Hunde unterschiedlicher Herkunft miteinander, können schadhafte Gene meist durch das gesunde Gen des Partners kompensiert werden.

Das ganze wird anhand eines Beispiels einer Tischdecke veranschaulicht:

Legt man zwei Tischdecken aus identischer, fehlerhafter Produktion (mit Löchern) übereinander,ist der Fehler nicht verdeckbar. Legt man nun zwei Tischtücher übereinander, die zwar auch beide Fehler beinhalten, jedoch aus unterschiedlicher Produktion stammen, werden die Löcher gegenseitig überdeckt.


D.h. bei der Wahl eines Welpen sehr gut auf die Ahnentafel, bzw. den Stammbaum achten und diesen idealerweise 5-6 Generationen zurückverfolgen.

Die offiziellen FCI/SKG Papiere liefern jedoch vielfach nicht die Informationen über diese Tiefe sondern "enden" bereits bei der 4ten Generation. Hier bleibt somit nichts anderes übrig, als den Züchter zu fragen, bzw. die Ahnentafel zu "googlen".

Dies gibt zwar keine absolute Garantie, aber hilft doch zumindest gewisse Risiken zu vermeiden.

Oliver Scheer

Quelle: HundeWelt Juli 09