Samstag, 10. April 2010

Was prägt fürs Leben?

Mit acht Wochen sollte ein Welpe in sei neues Zuhause umziehen. Erfahrungen, die früh gemacht werden, formen das Wesen für immer. So galt es lange unter Hundeleuten. Doch in verkrustete Weisheiten kommt Bewegung.

Auszüge aus einem Hunde-Experten Talk mit 6 bekannten deutschen Hundetrainern, darunter Jan Nijboer sowie der Kynologin Dr. Dorit Feddersen-Petersen.

Es kommen immer mehr Kunden die in der achten bis sechzehnten Woche ihrer Hunde grossen Stress haben, weil sie etwas über die Prägephase gehört haben und nun meinen, in den nächsten vier Wochen müssten sie unbedingt mit ihrem Hund Bus fahren, ins Einkaufszentrum gehen etc.

Der Hund wiederum hat genau so Stress wie sein Halter und eigentlich gar nicht richtig Zeit in seinem neuen zu Hause anzukommen und herauszufinden, wer nun seine neuen Sozialpartner sind. Stattdessen muss er dreihundertfünfzig Leute im Einkaufszentrum treffen und alle möglichen Verkehrsmittel ausprobieren, sowie noch möglichst alle Cafes der Stadt kennenlernen.

Jedoch ist es manchmal nicht mehr reparabel, wenn ein Welpe in dieser frühen Phase zu vielen Reizen ausgesetzt und überflutet wurde. Der Aufbau der Stressresistenz, welche er in diesem Alter dringend braucht, ist bei konstanter Reizüberflutung nicht möglich.

Laufende Langzeitstudien beobachten Welpen und Junghunde, die bewusst ruhig und ohne Sozialisierungsstress aufwachsen, natürlich nicht ohne entsprechende Spaziergänge und Sozialkontakte mit anderen Hunden. Die beobachteten Hunde zeigen sich nervlich belastbarer und ohne Hyperaktivität. Berichtet wir unter anderem von zwei Hunden im Alter von sieben und neun Monaten, welche zum ersten Mal in diesem Alter eine Stadt, bzw. einen Flughafen besuchten und dabei vollkommen entspannt und ruhig waren.
Es wird jedoch auch dahingehend verwiesen, dass Hunde, welche unter starkem Stress, bzw. auch unter absoluter Reizarmut aufwachsen später Verhaltensstörungen zeigen.

Es kommt auf das goldene Mittelmass an. Manche Hunden werden von bestimmten Massnahmen absolut überfordert, andere damit jedoch unterfordert. Es gibt keine Schwarzweiss-Regeln. Massnahmen sind auf Rasse und Individuum anzupassen.

Ein Zunahme an „durchgeknallten“ Hunden wird auf die Konstellation Hundeschule-Hundehalter zurückgeführt. D.h. der neue Hundehalter will natürlich alles perfekt machen und übertreibt jedoch letztendlich.
Das erste was mit einem jungen Hund getan werden sollte ist nicht Action, sondern eine Beziehung aufzubauen, welche sein neues Rudel einschliesst.
Interessanterweise gehen die Meinungen der Experten bei der optimalen Abgabe-Zeit des Welpen an den neuen Besitzer auseinander. Während die einen zur neunten bis vierzehnten Woche tendieren, sehen die anderen dies als viel zu spät an und erachten Kontakte bereits in der dritten und vierten Woche als wichtig. Mehrstimmig war man sich jedoch einig, dass aufgrund der gemachten Erfahrungen mit den Kunden man der Mehrheit keine Welpen bereits mit sechs Wochen anvertrauen würde.

Quelle: Magazin "dogs" 2/2010

1 Kommentar:

  1. Wie alt ein Welpe sein sollte, wenn man ihn von der Hundemutter und den Geschwistern wegnehmen sollte, wird auch in unserem Club immer wieder diskutiert.

    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein Mensch einen, unter zehn Wochen alten Welpen, nicht 24 Stunden am Tag betreuen kann, so wie dies die Hundemutter tut. Besuche im Zwinger in den ersten Wochen bringen aber viel für beide Seiten.

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