Montag, 12. Juli 2010

Verwirrung um Hunde-Pflichtkurse

Kontrollaufwand für Gemeinden zu gross

Wer seit September 2008 Besitzer eines Hundes ist, muss bis Ende August einen Sachkundenachweis besitzen. Im Kanton Zürich werden sich rund 1400 Hundehalter nicht ans Gesetz halten - Bussen drohen ihnen vorerst kaum.

Rund 55 000 Hunde leben im Kanton Zürich. Davon müssen schätzungsweise 5500 bis Ende August einen obligatorischen Hundekurs besucht haben (siehe Kasten). Doch dieser Pflicht werden bis dann bei weitem nicht alle nachgekommen sein. Viele Halter stossen sich daran, dass sie als langjährige Hundebesitzer plötzlich ein praktisches Training absolvieren müssen, andere wiederum halten die Kurse, die es für den sogenannten Sachkundenachweis braucht, für blosse Abzockerei, und nicht wenige Halter haben schlichtweg die Übersicht über die kantonalen und eidgenössischen Verordnungen verloren.

Hundebesitzer warten ab

«Die Verwirrung ist gross», bestätigt Belinda Brunner, Hundeausbildnerin in Adliswil. Über das Kampfhundeverbot sei breit berichtet worden, das habe aber dazu geführt, dass Besitzer anderer Rassen sich gar nicht betroffen gefühlt hätten. Weitere Änderungen im neuen Tierschutzgesetz seien deshalb untergegangen oder missverstanden worden. «Der Trend zu kleinen Hunden hat sich klar verstärkt», sagt Steve Grütter aus Uster, Schulleiter von «Banner's Dog School». Im Irrglauben, keine Kurse absolvieren zu müssen, hätten sich einzelne Hundehalter beispielsweise lieber einen Mops statt einen Boxer besorgt.

Obwohl die Frist Ende August ausläuft, ist es erstaunlich ruhig», sagt Sandra Notter, die in der Stadt Zürich Hundekurse anbietet. Auch bei anderen Ausbildnern in der Region bleibt der Ansturm aus. «Ich hätte kurz vor den Sommerferien ein grösseres Echo erwartet», sagt Hundetrainerin Petra Funk und fügt hinzu: «Viele Hundebesitzer warten ab, wie genau es die Gemeinden mit den Kontrollen nehmen werden.»

Kontrolle nur bei Vorfall

Für die Gemeinden wäre eine flächendeckende Überprüfung des Sachkundenachweises ab dem 1. September ein «immenser administrativer Aufwand», für den es an «personeller Kapazität» fehlt, wie Verantwortliche in Uster und Egg erklären. Auch in der Stadt Zürich sieht es nicht anders aus. «Alle Hundehalter auf einen Schlag zu kontrollieren, ist ebenso wenig möglich, wie auf der Strasse sämtliche Autofahrer nach ihrem Führerausweis zu fragen», sagt Marco Cortesi von der Stadtpolizei. Klar aber ist, dass jeder Hundehalter einen Sachkundenachweis vorlegen können muss, sobald es zu einem Vorfall kommt.

Anmerkung der NBC-Redaktion:
Das heisst somit wenn es Verletzte oder gar wieder Tote gegeben hat....?!

Das kantonale Veterinäramt schätzt, dass rund ein Viertel, etwa 1400 Hundehalter, bis Ende August über keinen Sachkundenachweis verfügen wird. Für Regula Vogel, Kantonstierärztin, ist dies aber kein Grund zur Beunruhigung. Ab kommendem Januar tritt im Kanton Zürich die erweiterte Hundeausbildungspflicht in Kraft. «Die Gemeinden werden dann verpflichtet sein, umfassende Kontrollen durchzuführen», sagt Regula Vogel.

Diese Vorschrift gilt allerdings bloss für grosse Hunde. Um nun nicht noch für grössere Verwirrung unter den Hundehalterinnen und -haltern zu sorgen, haben sich bereits zahlreiche Gemeinden für eine einheitliche Lösung entschieden. «Mit dem Einholen der Hundesteuer werden wir ab 2011 von allen Haltern einen Sachkundenachweis verlangen - unabhängig von der Grösse und dem Gewicht des Hundes», sagt Daniela Lutz vom Bevölkerungsdienst Opfikon.

Quelle: NZZ

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