Freitag, 17. Juni 2016

Mehr Bissattacken trotz Kamphundeverbot und Hundegesetz

Bis vor dem seinerzeits erlassenen Kampfhundeverbot wurde eine jährliche Bissstatistik regelmässig auf der dazumaligen BVET-Seite publiziert.

War es Zufall, dass diese mit dem verabschiedeten Gesetz plötzlich nicht mehr online publiziert wurden? Ein seinerzeitiges Nachfragen der NBC-Redaktion beim BVET ergab, dass dies nun kantonale Angelegenheit sei und diese selbst entscheiden können. Mangels Publikation war eine Analyse ob das Kampfhundeverbot effektiv etwas bewirkt nicht möglich.

Nun sind 2015er Werte publik geworden...und die Bissattacken im Kanton ZH haben von 543 (2010) auf 667 Bisse (2015) zugenommen, was einer Zunahme von über 20% entspricht.

Wie schon in den früheren Statistiken ersichtlich, waren es hinsichtlich der effektiven Anzahl Bisse gänzlich andere Rassen die die "Hitliste" anführten. 
Da die Messung aber im Verhältnis der Anzahl registrierten Hund einer Rasse zur Anzahl der Bisse dieser Rasse für die Evaluation des Gefahrenpotentials verwendet wurde, kamen Hunde wie der Schäferhund (welcher auch im 2015 die meisten Unfälle verursacht hat) gänzlich besser weg, als die sogenannten Kampfhunde.

Nun haben die Elimination von ganzen Hunderassen sowie ein verschärftes Hundegesetz und Pflicht-Kurse aber offenbar nicht das bewirkt was man sich davon erhofft hatte.

Die Gründe liegen auf der Hand, aber werden leider nicht thematisiert.

Die Hunde, welche schon früher die meisten Bisse verursachten, wurden in der Population nicht reduziert, da nicht als gefährliche Rassen eingestuft

Die Kurse, welche zwar durchaus begrüssenswert sind und sicherlich keinem Neuhundehalter schaden, sondern wertvolles Basiswissen vermitteln sind von der Anzahl Lektionen viel zu kurz...oder anders ausgdrückt würden sonst wohl Hunderte von Hundesportlern welche regemässig und über Jahre in irgendeinem Club oder einer Schule trainierten wohl etwas gänzlich falsch machen.

Das verschärfte Hundegesetzt und die damit verbundene Meldepflicht durch Tierärzte ist zwar ok, aber bewirkt zwangsläufig bei vielen Hundehaltern einen weniger entspannten Spaziergang als dies vorher der Fall war. 

Wir kennen Sie alle:
Typ A (ich geh auf Nummer sicher und nimm meine Hunde auf jeden Fall an die Leine)
Typ B (meiner hat noch nie was gemacht und somit lass ich ihn auch frei, wenn mir angeleinte Hunde begegnen)

Zwangsläufig führt dies bei vielen Hundehaltern vom Typ A zu einem angespannten Verhalten, welches sich automatisch auf den Hund überträgt. Betritt der freie Hund dann noch den Bereich des angeleinten Hundes und seines Menschen..kann es eskalieren, weil das natürliche Verhalten der beiden Hunde im freien Zustand unterbunden wird...und sich auch der Halter des angeleinten Hundes in einer nicht förderlichen Konstellation befindet.

Insofern...erstaunt es leider nicht, dass die Anzahl der Bisse trotz aller Massnahmen zugenommen hat, oder lateinisch ausgedrückt "quod erat probandum" (was zu beweisen war).

Bleibt zu hoffen, dass man aus den aktuellen Themen (Bissstatistik, Zwangs-Schnellbleichen für Hundehalter) die korrekten Lehren zieht. Es wäre für alle dienlich; Hundehalter und Nicht-Hundehalter.

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